1. Überblick

Für den Erfolg und die Stabilität einer Bank ist ein effektives Kapital-, Liquiditäts- und Risiko­management eine elementare Voraussetzung. Die VP Bank versteht darunter den systematischen Prozess zur Identifikation, Bewertung, Steuerung und Überwachung der relevanten Risiken sowie die Steuerung des Kapitals und der Liquidität, die für die Risiko­übernahme und zur Gewähr­leistung der Risikotragfähigkeit benötigt werden. Den verbindlichen Handlungs­rahmen hierfür bilden die vom Verwaltungsrat der VP Bank Gruppe festgelegten Reglemente bestehend aus Risk Appetite Statement, Risikopolitik und Risikostrategien.

­Das Risk Appetite Statement definiert den über­geordneten Risiko-appetit entlang der Risiko­taxonomie und bildet damit die Grundlage für die Operational­isierung von Limiten und Zielvorgaben in der Risikopolitik. Als übergreif­endes Rahmenwerk regelt die Risikopolitik zusammen mit den Risikostrategien je Risikogruppe (Strategie und Geschäftsrisiken, Finanzrisiken sowie nicht-finanzielle Risiken) die spezifischen Zielsetzungen und Grundsätze, Organisations­strukturen und Prozesse, Methoden und Instrumente des Risikomanagements.

­­Regulatorische Anforderungen an das Risikomanagement sind in Liechtenstein vor allem im Bankengesetz (BankG) und in der Bankenverordnung (BankV) geregelt. Darüber hinaus finden in Liechtenstein die Kapitaladäquanz­verordnung (Capital Requirements Regulation, CRR) zusammen mit der Kapital-adäquanz­richtlinie (Capital Requirements Directive, CRD) Anwendung. Die CRD wurde in Liechtenstein im BankG und in der BankV umgesetzt. Die VP Bank wird von der Finanzmarkt­­aufsicht Liechtenstein als lokal system­relevantes Institut eingestuft und muss in Summe über Eigenmittel in Höhe von mindestens 12.5 Prozent ihrer risikogewichteten Aktiven verfügen. Dank ihrer überaus soliden Kapitalbasis, ihrer Bilanzstruktur und ihrer komfortablen Liquiditätssituation hat die VP Bank die regulatorischen Mindest-anforderungen 2025 stets deutlich übererfüllt.

Kapital- und Bilanzstrukturmanagement

Die Mindestkapitalquote der VP Bank von 12.5 Prozent der risiko­gewichteten Aktiven setzt sich aus dem regulatorischen Mindest­erfordernis von 8 Prozent, einem Kapitalerhaltungs­puffer von 2.5 Prozent und einem Puffer für andere systemrelevante Banken von 2 Prozent zusammen. Weiter sieht Basel IV einen antizyklischen Kapitalpuffer vor, der von der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein für 2025 erneut auf 0 Prozent festgesetzt wurde.

Die VP Bank hat die Mindestkapitalanforderungen 2025 jederzeit eingehalten. Dank einer überaus soliden Tier 1 Ratio von 26.1 Prozent per Ende 2025 bleibt ausreichender Handlungs­spielraum gewähr­leistet. Dies ermöglicht es der VP Bank, die mit dem Bankgeschäft verbundene Risikonahme zu betreiben.

Per Ende 2025 betrug die Leverage Ratio (Verschuldungsquote) der VP Bank 10.4 Prozent. Die VP Bank publiziert weitere Informationen zur Leverage Ratio im Offenlegungsbericht.

Im Rahmen des Kapital­- und Bilanzstrukturmanagements werden die Einhaltung der regula­torischen Anforderungen und die Abdeckung der betriebswirtschaftlichen Erfordernisse laufend überwacht. Im Rahmen der internen Prozesse zur Beurteilung einer adäquaten Kapital- und Liquiditätsausstattung (Internal Capital Adequacy Assessment Process (ICAAP) bzw. Internal Liquidity Adequacy Assessment Process (ILAAP)) werden mögliche negative Auswirkungen auf die Kapital­- und Liquiditäts­basis in Stresssituationen simuliert und analysiert. Die Finanzmarkt­aufsicht stellt mit dem ICAAP spezifische Anforder­ungen bezüglich der internen Strategien und Verfahren zur Ermittlung, Steuerung und Überwachung von Kapitalrisiken, die jährlich von der Finanzmarkt­aufsicht Liechtenstein anhand eines ICAAP-Fragebogens erhoben und beurteilt werden.

Liquiditätsrisikomanagement

Liquiditätsrisiken werden gemäss den gesetzlichen Liquiditäts­normen und -vorschriften von BankV, CRR und CRD sowie über interne Vorgaben und Limiten für das Interbanken- und Kreditgeschäft überwacht und gesteuert. Die jederzeitige Wahrung der Liquidität innerhalb der VP Bank Gruppe hat oberste Priorität und wird durch einen hohen Bestand an flüssigen Mitteln und Anlagen mit hoher Liquidität (High Quality Liquid Assets, HQLA) gewährleistet. Die VP Bank hat die Mindestliquiditätsanforderungen 2025 jederzeit eingehalten.

In diesem Kontext ist die Einhaltung der Liquidity Coverage Ratio (LCR) in Höhe von 100 Prozent gesetzlich vorgegeben, was mit einem Wert von 180 Prozent deutlich übererfüllt werden konnte. Die Vorgabe für die Net Stable Funding Ratio (NSFR) von 100 Prozent ist per Ende 2025 mit 154 Prozent ebenfalls eingehalten und deutlich übererfüllt.

Die Finanzmarktaufsicht stellt mit dem ILAAP spezifische Anforderungen bezüglich der internen Strategien und Verfahren zur Ermittlung, Steuerung und Überwachung von Liquiditäts­risiken, die jährlich von der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein anhand eines ILAAP-­Fragebogens erhoben und beurteilt werden.

Im Rahmen der Liquiditätssteuerung stellt die VP Bank über einen Liquiditätsnotfallplan sicher, dass sie auch im Falle von schlagend werdenden Liquiditätskrisen über ausreichend Liquidität verfügt. Durch die regelmässige Beobachtung von Frühwarn­indikatoren kann eine Verschlechterung der Liquiditätssituation frühzeitig identifiziert werden.

Im Rahmen des Liquiditätsmanagements werden die Einhaltung der regulatorischen Anforderungen und die Abdeckung der betriebs­wirtschaftlichen Erfordernisse laufend überwacht. Mittels Stresstests werden mögliche negative Szenarien simuliert und die Auswirkungen auf die Liquidität in Stresssituationen analysiert.

Kreditrisiko

Der Bewirtschaftung und der Überwachung des Kreditrisikos kommt insbesondere aufgrund der Bedeutung des Kundenausleihungs­geschäfts (CHF 5.9 Mrd. per 31. Dezember 2025 bzw. 55 Prozent der Bilanzsumme) eine zentrale Rolle zu. Neben dem Kreditgeschäft sind für die VP Bank auch Kreditrisiken aus dem zu Liquiditätszwecken gehaltenen Wertschriftenbestand im Banken­buch (überwiegend High Quality Liquid Assets) sowie aus Interbank­anlagen bei Banken mit guter Bonität von Relevanz.

Das Kreditrisikomanagement im Kundenausleihungsgeschäft wird durch das Kreditreglement geregelt. Das Volumen der Kunden­ausleihungen hat sich 2025 um etwa CHF 15 Mio. reduziert.

Das Volumen an Forderungen gegenüber Banken fällt im Vergleich zum Vorjahr mit CHF 747 Mio. um ca. CHF 104 Mio. niedriger aus. Zur Stärkung des Zinserfolgs werden freie liquide Mittel weiterhin bei Banken mit guter Bonität, überwiegend Schweizer Kantonal- und Regionalbanken, veranlagt.

Das Wertschriftenportfolio beinhaltet überwiegend Titel im Bereich Investment Grade und belief sich per 31. Dezember 2025 auf einen Nominalwert von ca. CHF 2 Mrd. Im Risikomanagement­prozess sind detaillierte Vorgaben (u.a. Volumen- und Risikolimiten, Durations­bandbreiten) für die Bewirtschaftung der Wertschriften etabliert.

Marktrisiko

Das Marktrisiko umfasst Zins-, Credit Spread, Währungs-­ und Aktienpreisrisiken. Aufgrund der Bedeutung des zinstragenden Geschäfts kommt der Bewirtschaftung und Überwachung des Marktrisikos auf der Gesamtbilanz eine besondere Bedeutung zu. Im Jahr 2025 hat sich der Trend sinkender Leitzinsen fortgesetzt, wenn auch nicht in gleichem Masse wie im Vorjahr. Folglich sind die Marktzinsen am kurzen Ende gesunken. In den Währungen CHF und EUR haben sich die anfangs noch inversen Zinsstrukturkurven, bei der die langfristigen Zinsen unter den kurzfristigen Zinsen liegen, normalisiert. Das Zinsniveau in CHF ist auf der Nulllinie angekommen. Die Wechsel­kurse verzeichneten im Jahresverlauf deutliche Schwankungen mit einer gegenüber dem CHF rückläufigen Tendenz, insbesondere der USD verlor über 12 Prozent.

Operationelles Risiko

Die VP Bank definiert das operationelle Risiko als die Gefahr von Verlusten oder entgangenen Gewinnen, die infolge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen oder Systemen sowie infolge von externen Ereignissen eintreten können. Mit Hilfe von Top-down und Bottom-up Risk Assessments werden mögliche Risikoszenarien erkannt, beschrieben und beurteilt. Die identifizierten Risiken werden mit Kontrollen entsprechend den Vorgaben aus dem Risikoappetit begrenzt oder reduziert. Die Kontrollen sind ein integraler Teil der Geschäfts­prozesse und werden im internen Kontrollsystem dokumentiert. Die Angemessen­heit und die Wirksamkeit der Kontrollen werden periodisch beurteilt. Die aktuelle Risikosituation der nicht-finanziellen Risiken wird quartalsweise an die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat rapportiert.

Die geopolitische Situation hat weiterhin einen grossen Einfluss auf die Beurteilung der Risiken aus Sanktionen und Embargos. Entsprechend wurden die Prozesse zur frühzeitigen Erkennung und Verhinderung von potenziellen Compliance-Verstössen weiter verbessert. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass die Regulierungsdichte in der Finanzbranche weiter zunehmen wird.

Am 17. Januar 2025 traten die Anforderungen der Verordnung (EU) 2022/2554 über die digitale operationale Resilienz im Finanzsektor (DORA) in Kraft, mit dem Ziel, die digitale Widerstands­fähigkeit von Finanzdienstleistern zu stärken und die Stabilität des Finanzsystems zu sichern. Sie setzt damit neue Standards für den Schutz kritischer IT-Systeme und die Bewältigung von Cyberangriffen in der Finanz­branche. Auf dieser Basis wurden im Jahr 2025 erstmals Tests zur Überprüfung der digitalen operationalen Resilienz als Erweiterung der bestehenden Business Continuity Tests durchgeführt.

Die VP Bank hat Massnahmen ergriffen, um das IT-Risikomanagement, die IT-Prozesse, die Cyberresilienz und die Überwachung externer Dienstleister weiter zu verbessern.

Die zunehmende Abhängigkeit von externen Dienstleistern und die wachsende Komplexität der Lieferketten erhöhen das operationelle Risiko. Durch die Optimierung unseres Third Party Managements wurde die Widerstandsfähigkeit gegenüber Ausfallrisiken, Cyberbedrohungen und Compliance-Verstössen gestärkt.

Damit schützt die VP Bank langfristig ihre Kunden und deren Vermögenswerte, die Sicherheit ihrer Dienstleistungen sowie die Stabilität ihrer Geschäftsprozesse.

Weitere Risiken

Neben den oben erwähnten Risiken deckt das Risiko­management der VP Bank Gruppe auch Strategie- und Geschäftsrisiken, Compliance Risiken, ESG-Risiken und klimabezogene Finanz­risiken sowie das Reputationsrisiko ab. Ausgehend vom Geschäftsmodell und der Dienstleistungs­palette der VP Bank werden diese Risiken systematisch analysiert und laufend beurteilt.